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Restaurierung bewusst beschädigter Quellen


Es zählte im Mittelalter zu den üblichen Methoden, Urkunden durch Einschnitte oder durch Abschneiden von Siegeln ungültig zu machen. In diesem Modul lernen Jugendliche neben dem Umgang mit solchen bewusst herbeigeführten, rechtlich aussagekräftigen „Beschädigungen“ bei der Restaurierung auch exemplarisch den unterschiedlichen Informationswert verschiedener Überlieferungsformen einer Quelle kennen (Originalurkunde, kopiale Überlieferung, Regest, Edition und Quellentext im Schulbuch).

Modul für Jugendliche der Altersgruppe 15-18 Jahre
(Jahrgangsstufen 10 bis 12)

Maximale Gruppengröße:
20 Personen
Personal:
ein(e) Archivar(in)/Archivpädagog(e/in), ein(e) Restaurator(in)

Soweit mit Originalen gearbeitet werden soll, ist die Durchführung des Moduls im Archiv zu empfehlen. Grundsätzlich kann das Modul auch anhand von Digitalisaten außerhalb des Archivs eingesetzt werden. Für die Schritte 6 und 7 ist der Besuch in der Restaurierungswerkstatt wünschenswert.

Vorlage von mehreren Urkunden, die durch Einschnitte ungültig gemacht wurden und ggf. weitere Schadensbilder aufzeigen, z.B. LAV NRW OWL Urkunde 1452 Februar 27, 1455 März 16, 1455 April 5, 1458 Mai 25 (durch älteren Mikroorganismenbefall stärker beschädigt), 1462 September 20, 1465 April 17.

Diskussion im Plenum anhand folgender Leitfragen:

  • Welche Gemeinsamkeiten fallen an den Stücken auf?
  • Welche Bedeutung könnten die Einschnitte haben?
  • Gibt es Parallelen heute (ungültig gemachte Bankkarten, Pässe usw.)?
  • Wie könnte man klären, was die Einschnitte wirklich bedeuten?

Medien: Urkunden
Zeit: 15 Minuten

Bereitgelegt werden Kopiare und Regesten (soweit vorhanden aus unterschiedlichen Entstehungszeiträumen), ggf. auch Editionen.

Gruppenarbeit zu verschiedenen Urkunden:

  • Suche nach den Urkunden in den Kopiaren und Regesten (und Editionen).
  • Welche Informationen bieten diese Überlieferungsformen im Vergleich zur Originalurkunde, welche fehlen?
  • Was ist ein Kopiar?
  • Was ist ein Regest?
  • Was unterscheidet diese Überlieferungsformen von Quellentexten in Schulbüchern?

Hier: LAV NRW OWL Urkunde 1458 Mai 25 fand Aufnahme in drei Kopiare:

  • LAV NRW OWL D 71 Nr. 13, S. 150;
  • LAV NRW OWL D 71 Nr. 14, Blatt 23;
  • LAV NRW OWL D 71 Nr. 16 Blatt 287 

(jeweils ohne Hinweis auf die Ungültigmachung). Die Urkunde wurde in die älteren Lippischen Regesten und in die Neue Folge aufgenommen, wobei nur die Neue Folge Hinweise zu Schäden und den Einschnitten bietet.

Zu LAV NRW OWL Urkunde 1465 April 17 existiert eine kopiale Überlieferung:

  • LAV NRW OWL D 71 Nr. 1 Blatt 126 (ohne Hinweis auf Ungültigmachung).

Die Urkunde ist in beiden Serien der Lippischen Regesten erfasst, in der Neuen Folge jedoch nur mit Hinweis auf die kopiale Überlieferung.

Medien: Urkunden, Kopiare, Regesten (Editionen), Schulbücher
Zeit: 20 Minuten

Zusammenführung der Ergebnisse aus der Gruppenarbeit

Medien: Flipchart
Zeit: 10 Minuten

Internetrecherche in Partnerarbeit zum Thema „Grundlagen der Siegelkunde“:

  • Welche Siegeltypen und -formen gibt es?
  • Wie ist ein Siegel aufgebaut?
  • Wie wurde ein Siegel angebracht?
  • Welche Materialien wurden verwendet?

Medium: Internet
Zeit: 15 Minuten

Interview mit Archivmitarbeiter(in):
Urkunden- und Siegelerschließung im Archiv heute (Erschließungsdatenbank, online-Findbücher, Nutzung anhand von Schutzdigitalisaten usw.). Klärung von Fragen, die sich aus der Internetrecherche ergeben haben.

Medium: Kurzpräsentation
Zeit: 15 Minuten

Interview mit Restaurator(in) zu den Themenfeldern:
Haptische und optische Eigenschaften von Pergamenten mit unterschiedlicher Oberflächenbearbeitung. Jugendliche sollen durch Anschauung und „Begreifen“ die Beschreibstoffe und deren Unterschiede kennenlernen, z. B. im Hinblick auf Haltbarkeit (Versuch, Pergament zu zerreißen, Verhalten beim Einwirken von Wasser), Beschreibbarkeit (Versuche, mit Federkiel auf verschiedenen Pergamentoberflächen zu schreiben).
Ergänzende Informationen seitens Restaurator(in) zu Pergamentherstellung, -bearbeitung, -eigenschaften.

Medium:
Materialmuster (Pergamente mit unterschiedlicher Oberflächenbearbeitung;  im Unterschied dazu Leder)
Zeit: 10 Minuten

Anhand vorgelegter geschädigter Urkunden beschreiben die Jugendlichen typische Schadensbilder an Urkunden.
Vorstellung/Beschreibung typischer Techniken, Materialien (Ziegendarm, Hausenblasenleim usw.) und Grundsätzen der Pergament- und Siegelrestaurierung.
Anhand von Wachssiegelabgüssen kann die Fehlstellenergänzung bei Siegeln durch Jugendliche selbst ausprobiert werden (Herausbrechen eines Stücks, Ergänzung der Fehlstelle).

Medium:
Urkunden und Siegel mit Schadensbeispielen, Werkzeuge und Materialien zur Restaurierung von Pergament und Wachssiegeln
Zeit:
30 Minuten

Abschlussbesprechung im Plenum

Zeit: 10 Minuten

Die Jugendlichen erwerben in den Bereichen der Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz folgende Fähigkeiten:

Sie kennen ...

… Aufgaben, Verfahren und Methoden der Restaurierungswerkstätten

  • Ziele von Restaurierung/Restaurierungsethik, u.a.: Erkennbarkeit der Restaurierung, Dokumentation des Schadens als Teil der Geschichte eines Objekts und Dokumentation des Eingriffs bei der Restaurierung

  • Methoden der Rissschließung/Fehlstellenergänzung bei Pergament
    (ggf. auch bei Papier und Siegeln)

  • Methoden der archivischen Lagerung von Urkunden (z.B. ursprüngliche Faltung oder Planlegen/Montage während der Restaurierung)


… weitere Arbeitsfelder von Archiven

  • archivische Erschließung von Urkunden und wissenschaftliche Urkundenedition


Sie beschreiben und beurteilen:

  • zeitgenössische Methoden, ein Dokument im Mittelalter/in der frühen Neuzeit ungültig zu machen

  • Unterschiede der Aussagekraft verschiedener Überlieferungsformen wie Originalurkunde, Kopiar, Regest, Edition und Quellentext im Schulbuch