Module

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Kahnakten


Im März 1945 sank bei Luftangriffen mit Brandbomben im Hafen Hannover-Linden die MS Main 68 mit 25 Tonnen Archivgut aus dem Preußischen Staatsarchiv Düsseldorf. Das Archivgut sollte in einem Salzbergwerk bei Helmstedt in Sicherheit gebracht werden. Erst im September 1945 konnte das Archivgut aus dem zerstörten Schiff geborgen werden. Die „Kahnaktenrestaurierung“ ist das umfangreichste und zeitaufwändigste Projekt zur Rettung kriegsgeschädigten Archivguts in der Bundesrepublik Deutschland.

Modul für Jugendliche der Altersgruppe 16-18 Jahre
(Jahrgangsstufen 10-12)

Maximale Gruppengröße:
25 Personen
Personal:
mindestens ein(e) Archivmitarbeiter(in)/Archivpädagog(e/in) und ein(e) Restaurator(in)

Die Schritte 1 bis 4 und 7 des Moduls können außerhalb des Archivs bzw. der Archivwerkstatt durchgeführt werden, für die Schritte 5 und 6 ist der Besuch in der Archivwerkstatt sinnvoll.

Vorlage einer stark geschädigten Kahnakte:
Diskussion im Plenum über die Leitfrage: Was könnte passiert sein? (Ideensammlung zum „Schicksal der Akte“)

Medium: Beispielakte (ggf. Foto)
Zeit: 5 Minuten

Erarbeitung zentraler Stationen der Schadensgeschichte anhand von Aktenauszügen (Reader) aus LAV NRW Abt. R, BR 2094, Nr. 300 in Kleingruppenarbeit: Jeweils 2-3 Personen erarbeiten unterschiedliche Texte unter der Leitfrage: Was erfahre ich über das Schicksal der Akte?

Medium: Reader
Zeit: 10 Minuten

Klärung der Schadensgeschichte durch Zusammenführung der Teilergebnisse im Plenum. Ergänzende Informationen u.a. zur Chronologie der Ereignisse, zur Bedeutung sachgemäßer Lagerung und Ordnung in Behörden und Archiven → Magazinierung/Verpackung.

Medium: Reader, Chronologie
Zeit: 30 Minuten

Internetrecherche (in Kleingruppen) mit anschließender Plenumsdiskussion zu den Leitfragen:

  • Archive (Kultureinrichtungen) als Kriegsziele?
  • Gefahren für Kulturgut durch Katastrophen und Havarien?
  • Wie kann man Archiv-/ Kulturgut vor (den Folgen von) Schäden und Katastrophen schützen? z.B. Standort, Bau, Magazinklima, Verpackung, Notfallvorsorge, -planung.

Medium: Internet; Links zum Einstieg z.B www.uni-muenster.de,
www.landesarchiv-bw.de,
Ggf. Einsatz von Filmen (Filmausschnitten) zur Bergung und Restaurierung von Beständen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
(Die Buchretter von Weimar, arte/ZDF 2007, vgl. www.arte.tv/de)
oder des Historischen Archivs der Stadt Köln (Ein Jahr nach dem Einsturz, WDR 2010: www.wdr.de)
Zeit: 30-60 Minuten (je nach Medieneinsatz)

Interview(s) der Jugendlichen mit Restaurator(inn)en zu den Leitfragen:

  • Was kann man bei einem Schadensbild wie bei den Kahnakten machen?
  • Welche Materialien und Techniken werden eingesetzt?
  • Was sind die besonderen Herausforderungen?
  • Wie viel Zeit braucht man?

Ggf. können weitere Fragen in der Gruppe vorab entwickelt werden.

Zeit: 15 Minuten

Jugendliche (Kleingruppen) erproben anhand von nicht archivwürdigen Schriftstücken selbst Arbeitsweisen wie das Lösen von Verblockungen, Methoden der Trockenreinigung (z.B. mit Latexschwämmen) und der Nassbehandlung (z.B. Handanfaserung, Kaschieren mit Japanpapier).

Zeit: 30 Minuten

Abschlussbesprechung im Plenum:
Ergebnisse der Interviews und praktischen Erfahrungen. Hinweis auf die Bedeutung der Restaurierung für die Zuordnung der Kahnakten zu den Beständen und Findmitteln (Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten als archivische Kernaufgabe).

Zeit: 15 Minuten

Die Jugendlichen erwerben in den Bereichen der Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz folgende Fähigkeiten:

Sie kennen ...
... Aufgaben, Verfahren und Methoden der Restaurierungswerkstätten

  • typische Schadensbilder an Papier bei Wasser- und Brandschäden (z.B. Verblockung, Schimmelwachstum, auslaufende Tinten)

  • Grundprinzipien, Methoden, Techniken und Arbeitsmaterialien der Papierrestaurierung


... weitere Arbeitsfelder von Archiven:

  • Beratung der Behörden für eine sachgerechte Lagerung des Schriftguts

  • Stellenwert der sachgemäßen Verpackung von Archivgut (Archivschachteln) als Schutz vor Wasser, Brand, Staub, Licht sowie zur besseren Handhabung bei der Bergung und zum Erhalt des Ordnungszustands etc.

  • Bedeutung des Ordnens und Verzeichnens angesichts der ggf. massiven Verunordnung bei Katastrophen und der anschließenden Bergung

... geschichtliche Ereignisse und Grundbegriffe:

  • Aspekte der Alltagsgeschichte in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit (z.B. Stand von Kommunikation und Infrastruktur; Hintergrundgeschichte: 2. Weltkrieg, Luftkrieg, Kriegsende, alliierte Besetzung)

Sie beschreiben und beurteilen:

  • die Bedeutung der Sicherung von Zeugnissen der Vergangenheit

  • die Bedeutung der historischen Überlieferung für ihre eigene Gegenwart